Überall dort

  .... wo die Kraft der Sonne zum Reifen der Traube noch genügt, pflanzt der Mensch den Weinstock. Die Landschaft lässt sich diesen Eingriff in ihre eherne Urgestalt gern gefallen und strahlt mit den steilen Rebhängen ein unverwechselbares wie bezauberndes Lachen aus.
Ober- und unterhalb der alten Domstadt Meißen, dem Mittelpunkt des am nördlichsten gelegenen Weinbaugebietes in Europa, säumen den Elbelauf die Weinberge von Radebeul, Cossebaude, Weinböhla und Diesbar-Seußlitz. Noch bevor aber der Strom Dresden erreicht, grüßt am rechten Ufer das heitere, in wunderschöne Umgebung eingebettete Pillnitz — ein Kleinod im fröhlichen Reigen sächsischer Weinbauorte. In beschwingtem Wechsel herrscht bald das Fremdländische des
Schlosses mit Park und der berühmten Kamelie, bald Fluss und Insel, bald
der Bergwald mit seinen romantischen Tälern, bald die Rebterrassen, die
mit lichtem Grün liebevoll das Kirchlein umfrieden, bald der unvergleichliche
Rundblick von der Höhe der Weinberge, der von den Felsen der Sächsischen Schweiz über die Kuppen des Erzgebirges bis hin zu den Türmen der nahen Stadt reicht. Dennoch ergänzt sich alles zu wohltuender Harmonie, gibt das eine dem anderen das letzte Stück zur Vollkommenheit.


"Großer Berg" Pillnitz vom Leitenweg aus



Erstmals berichtet

  .... eine aus dem Jahre 1403 überlieferte Urkunde von einem Weinberg in Pillnitz. Die Weintraube im alten Dorfsiegel zeugt von der Bedeutung der Rebkultur in damaliger Zeit. Neben bäuerlichen Weinbergen bestanden die zur Herrschaft gehörenden Lagen "Hausberg" und "Großer Berg". Ende des 18. Jh. begann eine umfassende Rekonstruktion des königlichen "Großen Berges" zu einem der drei Musterweinberge des Elbtales. Sein Rotwein wurde im ganzen Sachsenland als vorzüglich geschätzt.


altes Pillnitzer Dorfsiegel

Die drohende Reblausverseuchung Ende des 19. Jh. erforderte die Rodung aller Weinstöcke. Bis auf die 1924 mit neuen Pfropfreben begonnene Versuchspflanzung der damaligen Gartenbauschule wurden die Weinberge durch die Anlieger nur noch obstbaulich genutzt.

Seit Mitte der 60er Jahre verwilderten die Terrassen zunehmend. Erst rund 20 Jahre später hielt der Weinbau durch die Unermüdlichkeit Dresdner Weinfreunde auf den verwahrlosten Rebflächen wieder Einzug. 1984 begann
auch die Gärtnerische Produktionsgenossenschaft "Am Weinberg" mit der Aufrebung alter Weinbergflächen.


1981 veröffentlichte eine Lokalzeitung diesen Kurzhinweis

Weinberkirche und vorerer Weinberg im Jahr 1981



Voller Elan

  .... begannen 1978 weinbaubegeisterte Dresdner mit der Verwirklichung ihrer Idee, den ehemaligen "Königlichen Weinberg" wieder mit Weinstöcken zu bepflanzen. Trotz unüberschaubarer Wildnis auf den verwachsenen Terrassen, schlossen sich diesem schwierigen Vorhaben weitere Weinbauenthusiasten an. Im Juli 1980 konnten sie vorerst im Verband der Kleingärtner ihre Winzersparte "Weinberg Pillnitz" gründen.

Rund achtzig Freizeitwinzer bewirtschaften heute den 6 ha großen, denkmalgeschützten Weinberg. Die Terrassen gliedern sich in etwa 70 Parzellen. Sie sind jeweils mit 300 bis 800 Weinstöcken zu 3 bis 6 Sorten bepflanzt. Seit 1988 bilden die Pillnitzer Winzer eine der 13 Weinbaugemeinschaften der Sächsischen Winzergenossenschaft in Meißen. Hier werden sie fachlich betreut und ihre Trauben zum begehrten "Elbtalwein" verarbeitet. So ist in Pillnitz ein Stück sächsischer Weinbautradition den Menschen und der Landschaft erhalten geblieben.


Ein sächsischer Wein

  ....
erfährt seine besondere Art durch die wechselhaften, zum Reifen der Trauben gerade noch ausreichenden Bedingungen in einer klimatischen Grenzlage des Weinanbaues. Seit jeher ist deshalb der Witterungsverlauf für das Werden dieses Weines von entscheidender Bedeutung. Strenge Winterfröste, die Eisheiligen im Mai, im Juni zur Weinblüte kühles Wetter, aber auch Regen oder Trockenheit zur Traubenreife beeinflussen Menge und Güte des Weines außerordentlich. Sie können letztlich die Hoffnung auf einen Ertrag zunichte machen.

Innerhalb von 10 Jahren sollte der Winzer mit 3 bis 4 schlechten, darunter sogar Missernten rechnen. Guten Ertrag kann er 3 bis 5mal, große Jahrgänge aber nun bis 2mal erwarten. Die steile Südwest-Lage des Pillnitzer Weinberges mit ihrem wärmeliebenden Gesteinsverwitterungsboden lassen ebenso wie der vor kalten Nord- und Ostwinden schützende Wald hier auch in ungünstigen Jahren immer eine kleine Ernte wachsen. Doch ob Jahrhundert- oder Missernte - der Winzer gibt nicht auf, seine Rebstöcke zu pflegen. Die Flasche sächsischer Wein ist der Lohn seiner mühevollen Arbeit. Auf dem Pillnitzer Weinberg werden vorwiegend die Sorten Müller Thurgau, Weißburgunder, Traminer und Ruländer aber auch Riesling, Goldriesling und blauer Spätburgunder angebaut.

   Der Sachsenwein
   ... wird sortenrein gekeltert,
   ... ist trocken, säurebetont, frisch und leicht,
   ... sollte jung getrunken werden.


schwere Arbeit beim Anhäufeln im Herbst



laufende Arbeiten im Weinberg




Rund übers Jahr

  .... ist der Fleiß des Winzers, gepaart mit Erfahrung und Gespür für das richtige Maß einer Arbeiten am Rebstock, Grundlage für eine gute Ernte im Herbst. Den Rebschnitt im Februar/März und daran anschließend das Biegen und Binden der Tragnuten sind die ersten Aufgaben im Weinberg nach der Winterruhe. Mit Beginn des Knospenschwellens Anfang April setzen die Pflanzenschutzmaßnahen ein, die dann je nach Befallsdruck der tierischen und pilzlichen Schaderregen 4 bis 10mal im Verlaufe des Jahres zu wiederholen sind. Der Austrieb im Mai zeigt dem Winzer das erste zarte Grün an seinen Rebstöcken, das sich bald stank entwickelt und dem Wachstum folgend ständig an die Drahtanlage geheftet werden muss. Die sich nun üppig entwickelnde Laubwand erfordert ständige Pflege. Ausbrechen überzähligen Triebe, Ausgeizen, Entfennen der älteren Blätter in der Traubenzone und Gipfeln der Triebspitzen, dazu laufende Unkrautbekämpfung gewährleisten, dass Sonnen Licht, Wärme und Feuchtigkeit optimal für das Reifen eines guten Jahrganges wirken können. Ausgewogene Düngung und regelmäßige Bodenbearbeitung, besonders das Anhäufeln der Rebstöcke im Herbst und das Abhäufeln im Frühjahr, sind unerlässlich für das Erhalten günstiger Wachstumsbedingungen. Aber auch die Instandhaltung von Drahtrahmenanlage und Stützmauern ist nicht zu vergessen.
Nach ca. 25 Standjahren haben die im modernen Weinbau verwendeten reblausresistenten Pfropfreben ihre Lebenskraft verbraucht und werden gerodet. Mit dem Neuaufreben und der sorgsamen Pflege des Jungfeldes bereitet der Winzer künftige große Ernten vor. Die besonders in Steillagen schwere Arbeit wird im Pillnitzer Weinberg durch den Einsatz von elektrischen Seilwinden zum Ziehen von Pflügen, Grubbern, Transportschlitten u.ä. Geräten erleichtert. Die traditionelle Karsthacke bleibt aber dennoch ein unentbehrliches Werkzeug für den Winzer.
Mit der Weinlese wird den Höhepunkt des Weinjahres erreicht und die Freude den lustigen Winzerschar über einen guten Jahrgang lässt die aufgebrachten Mühen vergessen.

Mitte Juni

  .... findet man den Winzer öfter als sonst bei seinen Weinstöcken. Aufmerksamer verfolgt er jetzt den Wetterverlauf — es ist die Zeit der Weinblüte. Reife und volle Trauben kann der Winzer nur erwarten, wenn warme und sonnige Witterung die Gescheine — die Blütenstände — zügig und vollständig verblühen lässt.

Dieses wichtige Ereignis im Vegetationsjahr der Rebe ist für die Pillnitzer Winzer die zünftige Umrahmung eines Juniwochendes für ihr traditionellen Weinblütenfestes. Weinfröhlichkeit und die enge Verbundenheit zum Weinberg lassen diesen Juniabend alljährlich zu einem unvergessenen Erlebnis werden


Beispiel einer Einladung zum Weinblütenfest

Signet der Weinbaugemeinschaft "Weinberg Pillnitz"

Ehrst Du nicht nur unser Land
sondern auch des Winzers Stand
Willst des Winzers Gast Du sein
trinke Heimatwein
.